LK besucht Oberlandesgericht

Zeitzeugengespräch mit Gerhard Wiese

Am 19. Februar 2020 besuchte der Q2 Geschichte Leistungskurs unter der Leitung von Frau Jurcevic das Oberlandesgericht Frankfurt, um bei einem Zeitzeugengespräch mit dem ehemaligen Staatsanwalt beim Auschwitz-Prozess Gerhard Wiese teilzunehmen.

Der Abend lief unter dem Motto „Das Thema muss immer wieder in die Köpfe rein“.

Als wir im OLG ankamen war der Flur, in dem das Gespräch stattfinden sollte, schon sehr voll, sodass nicht alle von uns einen Sitzplatz ergattern konnten.

Nach einem kurzen Vortrag des Journalisten Christian Preiser und der OLG-Sprecherin Gundula Fehns-Böer zum historischen Hintergrund der Ausschwitz-Prozesse, begannen die beiden das Interview mit Gerhard Wiese. Dieser gab uns Zuhörern - aufgrund seines „Insider-Wissens“ - einen sehr guten Einblick in die damaligen Prozesse. Er berichtete beispielsweise, wie während der Prozesse oftmals eine Pause eingelegt werden musste, da die Zeugen in Tränen ausbrachen, wie er für zwei der wohl schlimmsten Täter aus Ausschwitz (SS-Oberscharführer Wilhelm Boger und SS-Unterscharführer Oswald Kaduk) zuständig war oder wie fassungslos er war, da keiner der Täter Reue zeigen wollte.

Die Veranstaltung hat uns nicht nur einen historischen Überblick gegeben, sie hat uns auch bewegt. Die vollkommene Entmenschlichung der Nationalsozialisten wurde bei diesem Gespräch nochmal deutlichst hervorgehoben.

Das Zitat Fritz Bauers: „Wir können aus der Erde keinen Himmel machen, aber jeder von uns kann etwas tun, dass sie nicht zur Hölle wird.“ hat viele beeindruckt, gerade vor den aktuellen Versuchen die Verbrechen der Nationalsozialisten zu relativieren oder gar gut zu heißen.

Die meisten von uns haben die Veranstaltung als Warnung empfunden. Als Warnung, dass solche Verbrechen und eine solche Entmenschlichung sich nie wieder wiederholen darf. Zur Aufarbeitung der NS-Verbrechen und zur Erkenntnis, dass Anpassung an einen Unrechtsstaat Unrecht ist, haben die Ausschwitz-Prozesse einen immensen Beitrag geleistet.

Auf die abschließende Frage, ob durch die Ausschwitz-Prozesse für Gerechtigkeit gesorgt wurde, antwortete Gerhard Wiese, dass dafür zu viele Täter unbestraft davongekommen seien.

Auch wenn der Flur, in dem die Veranstaltung stattgefunden hat, viel zu voll war, hat die Veranstaltung „das Thema in die Köpfe wieder herein gebracht“ und so ihr Ziel erfüllt.

Vincent Ehrenforth & Gabriel Hanika, Q2

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