Projekt Jüdisches Leben in Frankfurt
Zeitzeugengespräch mit Silvia Thanhauser
Silvia ist 1952 in Buenos Aires geboren. Ihre Mutter Lotte Metzger wurde 1924 in Frankfurt geboren und floh 1936 zusammen mit ihren Eltern und ihrer Schwester Ilse, einer ehemaligen Schülerin der Elisabethenschule, über Genua nach Montevideo, Uruguay. Von dort aus zog Lotte nach Buenos Aires, wo sie Kurt Thanhauser heiratete und zwei Kinder, Silvia und Juan Miguel, bekam. Leider wurde die Familie 1978 auch in Argentinien Opfer der dortigen Militärdiktatur, in deren Rahmen Silvias Bruder verschwand.
Die Atmosphäre während des Gesprächs war sehr besonders. Zwei Kurse, der GK von Frau Dr. Gerke sowie der LK von Herrn Fußhöller, also circa 40 Schülerinnen und Schüler, saßen gemeinsam in einem Raum. Niemand redete und alle hörten gespannt zu, als Silvia von ihren Erfahrungen erzählte. Zu Beginn merkte man, dass sie etwas nervös war. Das hat das Gespräch aber nur noch authentischer und persönlicher gemacht. Es wirkte weniger wie ein auswendig gelernter Bericht als vielmehr wie eine ehrliche Erzählung. Am Ende hatten wir noch Zeit, um Fragen zu stellen, was auch voll genutzt wurde. Eine Frage, die gestellt wurde, war, ob Silvia aufgrund ihrer Familiengeschichte eine Abneigung oder sogar Hass gegenüber Deutschland empfinde. Dies verneinte sie jedoch und sagte, dass es niemandem etwas bringe, Hass in sich zu tragen. Außerdem bedauere sie, ihre Eltern nie ausführlicher zu dieser Zeit befragt zu haben. Deshalb habe sie sich dazu entschieden, nach Deutschland zu reisen, um ihre Vorfahren zu ehren.
Ich persönlich bewundere sie sehr dafür, dass sie sich dafür entschieden hat, ihre Geschichte zu teilen. Ich mochte ihre Ausstrahlung sehr und auch wenn sie nun gefasst und reflektiert darüber sprechen kann, hat sie auch betont, durch wie viel Trauer und Aufarbeitung sie gehen musste. Mir hat das nochmal gezeigt, wie viele Generationen bis heute von den Folgen dieser Zeit betroffen sind. Jemandem zuzuhören, der so einen persönlichen Bezug zu diesen Ereignissen hat, hat mich sehr berührt.
Miyo Dernbach Q2 LA
